Titel Fortbildungen
Rettet das Spiel! | Spielräume

Inszenierte Spielräume

Die inszenierten Spielräume sind während des Kongresses die Orte, an denen ausprobiert, Wissen geteilt, gemeinsam gedacht und gehandelt wird.
Jeder Spielraum beschäftigt sich mit einem eigenen pädagogischen Themenfeld und wird von zwei Expert*innen in Szene gesetzt und begleitet. Das Wechseln zwische den Spielräumen ist jederzeit möglich. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er sich gerade an einem Thema festbeißen möchte oder lieber in alles ein wenig hineinschnüffelt. Beides ist jederzeit möglich.


Vorhang auf!
Marcus Dürr
Von der Kunst ein Wesen herzustellen, ihm Leben einzuhauchen und es in Theater zu stürzen.
Vom Reiz in Puppen zu schlüpfen um sich aufzuspielen, lustig zu machen, vorzuführen. Von der herrlichen Notwendigkeit sich in Rollen zu vermessen, willenlos zu übertreiben und herzhaft zu karikieren. Von der abenteuerlichen Freiheit durch die Puppe alles aussprechen zu können.
Von der Magie des lebendig werdenden Dingsbums. Vom rasend schnellen Fertigen eines Quassel-kaspers. Vom selber machen können und natürlich vom darüber lachen müssen.

Feueraffäre
Philipp Lorenz und Gonzo Escherle
Geschichten ranken sich an und um das Feuer.
In einladender Atmosphäre entfalten sich neue Begegnungen. Im finden und erfinden von abenteuerlichen und geheimnisvollen Geschichten treffen sich phantasiebegabte Geister.
Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen Lernen als Finden (des Gegebenen) und Er-Finden (des Neuen). Eine Balance, die nicht einfach aufzulösen ist, sondern in einem eigentümlichen Zusammenspiel steht. Eine These formuliert den Gedanken, dass wir Menschen sowieso nur das wahrnehmen können, was wir kennen.
Wie entdecken wir dann aber Neues? Finden oder erfinden wir alles, was uns begegnet?
Den eigenen Antworten kann spielerisch auf die Spur gekommen werden!

Denk.Bar
Julia Friedrich und Julia Staiger-Engel
Im munteren Spiel aufgeweckter, nachdenklicher Worte stellen wir gewagten Thesen in den (Spiel-)Raum, welche die (Neu-)Gestaltungen von Kind-Sein in aktuellen Lebenswirklichkeiten befragen.
In der Denk.Bar steht am Donnerstag die Suche nach dem Glück im Mittelpunkt. Ein Impulsvortrag von U. Wehner (Beginn ca. 13:30 Uhr) regt zu geistreichen Debatten ein.
Die Podiumsdiskussion am Freitag (Beginn ca. 11:30 Uhr) fordert vor, unter, neben und hinter der Bühne alle Kindheitsgestalter*innen zu eigenen Positionen heraus.
Das Symposium am dritten Tag wird durch die erarbeiteten Denkanstöße angereichert und Undenkbares für alle Anwesenden Denk.Bar gemacht.
Die Verantwortung der Pädagog*innen als Weltgestalter*innen und Anwält*innen für Kinderrechte erhält eine besondere Aufmerksamkeit. Das eigene Denken und Handeln kann vertieft, reflektiert und neu ausgerichtet werden.

Konstruktionen
Coco Froels und Maik Süßmann
Am Anfang steht die Idee. Und das Material, das einlädt, diese Ideen umzusetzen.
So lassen sich mit Bambusstäbchen und Stangen großartige Gebilde herstellen, die in einem eigenen Schaffensprozess unentwegt verändert werden können. Durch unterschiedliche Techniken können phantastische Bauwerke entstehen.
Von der Entwicklung der Idee hin zur Fertigstellung bleibt der spielerische Prozess in der Umsetzung bestimmend. Alle Mitspielenden sind herzlich eingeladen, großartige Konstruktionen entstehen zu lassen und aus dem Schaffensprozess zahlreiche Impulse mit nach Hause zu nehmen.

Spielgesteuert
Willi Grüßinger und Sebastian Pflüger
Erst Schule, dann Hausaufgaben und anschließend eine Runde Zocken.
Computerspiele haben im Tagesablauf von Jugendlichen ihren festen Platz, was von Seiten vieler Eltern und Pädagog*innen kritisch beäugt wird.
Die Idee von Spielgesteuert ist, sich mit der digitalen Lebensrealität von Jugendlichen auseinanderzusetzen und sie dabei pädagogisch zu begleiten. Viele Jugendliche verfügen über ein extrem großes Expert*innenwissen rund um virtuelle Welten. Dieses Potential nutzt Spielgesteuert, um in den Dialog mit Erwachsenen und Nichtspielern zu treten. Gerade beim Thema Computerspiele ist die öffentliche Debatte bislang von vielen Ängsten, Vorurteilen und Unkenntnis geprägt.
Die Computerspielschule Karlsruhe und Spielgesteuert verfolgen das Ziel, Barrieren zwischen Spielern und Nichtspielern abzubauen und zu erklären, um was es bei Videospielen geht und worauf man achten muss. Nicht zuletzt wird durch Spielgesteuert das Spielverhalten der beteiligten Jugendlichen reflektiert und zwangsweise auch dosiert.
Wir wollen gemeinsam in die virtuelle Welt abtauchen, die Faszination dieser Welt erleben, uns darüber austauschen und diskutieren.

Der Malspur auf den Fersen
Nadine Mertz
Im Malzelt gibt es Gelegenheiten, kreativ zu werden und den eigenen intuitiven Farbimpulsen zu folgen. Im Zentrum steht dabei das tätige Nichtstun mit Papier und Farbe, um ohne Ziel und Zweck der eigenen Malspur auf die Fersen zu kommen.
Was entsteht, wenn ich meiner Kreativität freie Hand lasse - auf dem Papier? in mir?
Tätiges Nichtstun findet vor allem im Spiel statt und besonders wir Erwachsene haben es meistens verlernt. Tätigsein ohne effektiven und funktionalen Sinn erlauben wir uns nur allzu selten.
Kinder werden zunehmend mit dieser Haltung konfrontiert und adaptieren sie.
Jedoch brauchen Kinder wie Erwachsene diese Räume, um in eine echte Begegnung mit der Welt und sich selbst zu kommen. So müssen zuerst wir Erwachsene uns ein Bewusstsein für diese Qualitäten aneignen, um sie dann den Kindern wieder zugänglich zu machen.

Mit Bewegung spielen
Eva Sambale, Rainer v.Flotow
Das Gelände und verschiedene einfache Materialien laden ein, sich zu bewegen und mit Bewegung zu experimentieren.
Hier kann jede und jeder neue Bewegungen für sich entdecken und ausprobieren und wie ein (kleines) Kind mit Bewegung spielen. Zusätzlich wirken Aufgabenstellungen und andere Mit-Spielende anregend. Aus der Beschäftigung mit sich, Material, Umgebung und den Aktivitäten der anderen entstehen Spielideen, die gemeinsam weiter entwickelt, ausgefeilt und natürlich mit viel Spaß gespielt werden.
Hier ist Bewegung ganz nach den individuellen Vorlieben und Bedürfnissen möglich: ruhig und in Action, für sich und gemeinsam, schweigend und im Austausch, sich frei bewegend und mit abgesprochenen Spielregeln, intuitiv und geplant, konzentriert und ausgelassen, immer mit Respekt für die eigenen Grenzen und die der anderen.
Ziel des Spielraumes ist es sich selbst mit Freude in Bewegung zu erleben und dabei persönliche Erfahrungen zu machen auf emotionaler, sozialer und kognitiver Ebene. Nebenbei entstehen viele Spielideen für die eigene spielpädagogische Praxis.

WerkSinn
Michel Heuberger, Andi Müller, Carmen Meyer, Viola Mangold
Macht es Sinn zu Werken wo doch alles billig zu kaufen ist?
Ist Werken sinnvoll (voll sinnlicher Erfahrung)?
Was sind Unterschiede zwischen Werken und Basteln ... Handwerk und Kunst?
Mit welchen Werkzeugen und Materialien arbeiten wir in unserer pädagogischen Praxis ... und warum?
Wie sehen die Spielregeln in unseren Werkstätten aus? Diesen Fragen wollen wir gemeinsam nachgehen ... im praktischen Tun und in Reflektionen unserer eigenen Erfahrungen.
Das gemeinsame Werken soll nicht nur das Formgefühl und die Fertigkeiten unserer Hände schulen, sondern im Besonderen unser soziales und kulturelles Verständnis fördern. Die Grünholzwerkstatt, in der wir uns in Handarbeit üben, hat nichts gemeinsam mit der Schreinerei ... eher mit dem Schuppen auf dem Bauernhof, in dem mit einfachen Werkzeugen und frischen Hölzern allerlei nützliche und schöne Dinge hergestellt werden.
Nach einigen Übungen zur Handhabung der Werkzeuge entscheiden die Teilnehmenden selbst, was sie sich selbst herstellen. Und im gleichen Atemzug üben wir uns in der Rettung des wertschöpfenden Spiels.

Mehr Matsch
Chris Vollmer und Laura Gube
Kinder lieben und brauchen Natur. Doch heute strolchen sie kaum mehr im Freien herum. Eine Katastrophe für die Gesellschaft, sagt der Philosoph und Biologe Andreas Weber. Wie riecht es im Wald? Wie fühlt sich ein Baumstamm an? Wie sieht ein Fink aus? Statt Frösche zu fangen, Baumhäuser zu bauen oder mit beiden Händen im Matsch zu wühlen, sitzen Kinder vor dem Fernseher oder Computer. Ohne Nähe zu Pflanzen und Tieren aber verkümmert ihre emotionale Bindungsfähigkeit. Empathie, Phantasie, Kreativität und Lebensfreude verschwinden.
Dieser Spielraum ermuntert alle, ein Biotop anzulegen, bei jedem Wetter nach draußen zu gehen und Plätze ausfindig zu machen, wo jeder Mensch tun und lassen kann, was er will. Ist es möglich, dass Pädagogen pädagogenfreie Räume schaffen? Das Nichtstun aushalten und üben, damit die Kinder zum Tun kommen können? Die Trennung auflösen zwischen Gestaltern und Nutzern. Die Folge wäre: Spielen! Für Eidechsen werden Reisighaufen und Trockenmauern errichtet, weil sie sich dort am Besten entwickeln können. Kinder brauchen das Unfertige, Stöcke, Lehm, die Möglichkeit zu gestalten, Höhlen zu bauen, sich und ihre Schätze zu verstecken.

Klangwelten
Regina Grün und Michael Siefke
Die Seele findet unter anderem Ausdruck in der eigenen Stimme und im (freien) Tanz. Musik ist lebensbejahend und ihr Ausdruck ebenso.
Kinder suchen die Nähe zur Musik um die angeborene Musikalität zu erhalten und zu pflegen sowie die Faszination für alles Klingende zu nähren. Kinder wachsen von Anfang an in die Musikkultur ihrer Umgebung hinein und werden von ihr angeregt. Jedes Kind ist bereits voller Musik: Manchmal sprudelt sie von selbst heraus, manchmal muss man sie tropfenweise sammeln, manche Kinder haben sofort Interesse am musikalischen Spiel, bei anderen muss es erst geweckt werden. Spiel und Musikhören führen auf erlebnisreiche Weise einerseits zu koordinierten Bewegungen und zum Tanz, andererseits zum stimmlichen Ausdruck: Rhythmisches Sprechen von Reimen, Singen von Melodien. Bewegung und stimmliches Musizieren münden ins Instrumentalspiel, wo auch ganz nebenbei musikalisches Grundwissen erworben wird.
In diesem Spielraum steht das gemeinsame entwickeln, singen und tanzen im Mittelpunkt. Für die eigene Praxis lassen sich viele Anregungen gewinnen.

Ursprüngliches
Michael Engist
Am Anfang war das Feuer, durch Blitzschlag oder Vulkanausbrüche erlebt, eingefangen vom Menschen um sich Wärme, Licht und Rauch zu Nutze zu machen. Wie lässt sich das Feuer entfachen, ohne auf die modernen Hilfsmittel zurückzugreifen? In diesem Spielraum kann dieses erforscht und erprobt werden.
Das Recht der Kinder auf Wildnis, Freiheit und Natur drückt sich in einem weiteren ursprünglichen Bedürfnis aus: Zurück auf die Bäume! Das Klettern auf die Bäume ist teilweise so sehr verloren, dass es eine Mehrzahl an Kindern gibt, die noch nie auf einen Baum geklettert sind. In diesem Spielraum kann auch dieses erforscht und erprobt werden.

Nichts wie raus hier!
Lisa Huber und Tim Lohse
Der Wald ist zu erforschen, Rätsel und Aufgaben sind zu lösen, Regeln in der eigenen Gruppe neu zu schaffen, zu ändern oder gar zu brechen - das Spielen in großen Gruppen ist ein ereignisreiches Vergnügen mit eigenem Charme.
Dabei ist das geschickte, gewiefte und kreative Können der einzelnen Spieler*innen gefragt. Die vordergründige Freude am Tun wird in respektvollen Kampf- und Rangelsituationen erfahrbar.
Deshalb wagen wir uns zu einem waghalsigen, räuberischen Spiel in den Wald und lassen uns ein auf anspruchsvolle Rätselspiele durch die verschlungenen Stadtwege Karlsruhes.

Zirkuswerkstatt Inklusive
Rebecca Stadtmüller und Johanna Seier
Zirkus ist die „Einheit der Vielfalt” (Jewgeni Kusnezow)

Staunen und Begeistern — Berühren und Verwandeln — immer wieder scheitern und trotzdem ganz viel lachen. Die Vielfalt der Zirkuswelt weckt viele Gefühle bei großen und kleinen Kindern. In Zirkusprojekten entdecken Kinder und Jugendliche neue, möglicherweise noch verborgene Talente. Manche wundern sich über das eigene Können und die eigenen Möglichkeiten, andere haben Erfolgserlebnisse durch raschen Lernzuwachs. Ohne Leistungsdruck lässt sich Anerkennung gewinnen, spielerisch kann die Zirkuskunst das kindliche Selbstbewusstsein stärken. Die Teilnehmenden entwickeln von sich aus Ehrgeiz und wachsen an neuen Herausforderungen. Sie merken, dass viel Übung, Konzentration und Wille nötig sind, um Ziele zu erreichen.
Zirkuspädagogik fördert das Gemeinschaftsdenken durch die Schaffung eines gemeinsamen Zieles, wie der Choreografie einer Nummer oder einer ganzen Zirkusvorstellung. Jede Aufführung ist eine Gemeinschaftsleistung und jede/r Künstler*in trägt einen Teil zum großen Ganzen bei. Die Kinder sind stolz dazu zu gehören!
Das schönste an der Zirkuswelt: ALLE können mitmachen!